Sinnlich-geistvoller Theaterabend

Anika Mauer im „Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“ auf dem Theaterkahn


© Iko Freese / drama-berlin.de

Von Gabriele Gorgas, Dresdner Neueste Nachrichten vom 4. September 2017

Ein großartiger Theatertext, eine wunderbare Schauspielerin und zudem noch eine Regisseurin, die das Gespür für Sprache, Spiel, Atmosphäre absolut im Blut hat. Was braucht es überhaupt noch mehr, um einen sinnlich-geistvollen Theaterabend zu inszenieren, der im Gedächtnis bleiben kann, wird, muss. Und das, obwohl sich da längst schon Aufführungen ebenso mit anderen eingenistet haben. Doch diese jüngste Erfahrung mit dem Stück „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“ von Peter Hacks auf dem Theaterkahn weiß sich rundum und spürbar ganz besonders zu behaupten.

Weiterlesen →

Vereinsamt hadernd mit einem verhassten Instrument

Peter Kube spielt in „Der Kontrabaß“ von Patrick Süskind auf dem Dresdner Theaterkahn

Von Christian Ruf, Dresdner Neueste Nachrichten vom 28. August 2017

Nein, er ist nicht neidisch, er hat nur einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn – und der sagt ihm, dass etwas gewaltig schiefgelaufen ist bei ihm im Leben. „Können Sie mir sagen, wieso ein Mann meines Alters mit einem Instrument zusammenlebt, das ihn permanent behindert?“, wendet er sich fragend ans Publikum, aber das bleibt stumm. Das Instrument, das ihn behindert, ist ein Kontrabass. Und es hängt in Holger Böhmes Inszenierung von Patrick Süskinds populärem Theatermonolog an der Decke – es schwebt wie ein Damoklesschwert über Peter Kube, der den einsamen, verbitterten Künstler spielt. 13 Jahre ist das jetzt her, dass Friedrich-Wilhelm Junge zuletzt den mäßig begabten Musiker gab, der sein Instrument und seinen Beruf aus tiefster Seele verabscheut – Zeit also für eine Neuinterpretation auf dem Theaterkahn. Die Zimmerebene wie auch das Fenster sind schief wie expressionistische Ufa-Filmkulissen aus alten Stummfilmzeiten (Bühne: Carsten Nüssler), man könnte es als Sinnbild für die Schieflastigkeit des Lebens dieses Kontrabassisten sehen.

Weiterlesen →

Von der mangelnden Kraft der Worte

Wolfang Kohlhaases tiefschwarze Komödie „Fisch zu viert“ auf dem Theaterkahn

Von Tomas Petzold, Dresdner Neueste Nachrichten vom 29. November 2016, Seite 8

Theaterkahn-Stammregisseur Peter Kube, seit drei Jahren zugleich Oberspielleiter der Landesbühnen Sachsen hat, wenige Tage übrigens vor seinem 60. Geburtstag, die erste Koproduktion der beiden Theater erfolgversprechend zur Premiere gebracht. Am Elbufer unterhalb der Katholischen Hofkirche, wie er gelegentlich zu sagen pflegt, gibt es Fisch, nicht nur im Restaurant Kahnaletto, sondern nebenan auch „zu viert“, absolut tödlich und hinreichend witzig serviert von Tom Quaas, mit Cornelia Kaupert, Anke Teickner und Sandra Maria Huimann nach Anleitung von Wolfgang Kohlhaase und Rita Zimmer. Die vielleicht schwärzeste aller „englischen“ Komödien (die Wirkung stellt sich möglicherweise erst nach Stunden ein) ist in Wahrheit ein deutsches Lust- und Trauerspiel, wurde 1968 erstmals aufgeführt fürs Radio unter dem Titel „Fisch zu viert – ein Moritatenbericht über eine höchst beklagenswerte Affäre im Jahre 1838 sowie im Märkischen bei Neuruppin“, wo man seinerzeit noch Arsen als Rattengift in der Apotheke kaufen konnte. Eine Hommage an Fontane, eine Parodie der bürgerlichen Komödie, in der die Gerechtigkeit in einem unerwartet allgemeinen Sinne siegt, ein Frustbewältigungsstück vielleicht auch, das nach einem gestoppten Defa-Filmprojekt folgte, ein trojanisches Pferdchen, historisch aufgesattelt, in dem menschliche Urinstinkte brodeln.

Weiterlesen →